Fulminanter Start der Ruhrgebietskonferenz Pflege

Der Veranstaltungssaal im Wissenschaftspark Gelsenkirchen war bis auf den letzten Platz besetzt - RTL und WDR hatten ein Kamerateam geschickt, die Printmedien waren auch gut vertreten. Vertreter von über 40 Unternehmen der Sozialwirtschaft trafen sich zur Kickoff-Konferenz "Pflege und Betreuung im Ruhrgebiet - leistungsstark, verlässlich und überraschend neu".

Von Beginn an wurde klar: Das ist keine Strohfeuer und keine Veranstaltung, deren Themen schnell verpuffen werden. Man spürte die Fachkenntnis und die Leidenschaft, mit der die Pflegewirtschaft ihre Arbeit in die Öffentlichkeit trägt - mit dem Willen, hier einen Prozess zu starten, der dafür sorgen soll, dass woimmer Politik über Pflege spricht, die Stimme der Branche gehört wird oder mit am Tisch sitzt. Die Ruhrgebietskonferenz-Pflege verleiht dem Gewicht und Botschaft.

Vorstand Ulrich Christofczik ist Sprecher der Initative. Er räumte in seinem Eröffnungsvortrag mit vielen Mythen auf und stellte klar: "Wir können Pflege und leisten doch viel mehr". Im Ev. Christophoruswerk wird seit jeher Tariflohn bezahlt, und das bedeutet an vielen Stellen - ob während der Ausbildung oder beim Berufseinstieg - der Pflegeberuf muss sich absolut nicht verstecken, was ein Branchenvergleich plakativ vor Augen führte. Einstellungen sind gegen den Trend in anderen Branchen oft auch unbefristet und die Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten breit gefächert. Das gilt es noch viel mehr und mit viel mehr Selbstbewußtsein nach außen zu tragen. Ulrich Christofczik, auch Kurratoriumsmitglied des vom Bundespräsidenten berufenen KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe), sparte aber auch nicht mit fundierter Kritik an Gesetzgebung und Schlingerkurs der Politik, der oft vom Rythmus der Legislaturperioden bestimmt ist und wenig Verläßlichkeit und langfristig stabile Planungsstrukturen bietet. Ebenso klar waren dann auch die daraus abgeleiteten Forderungen an die Politik. "Die Einflussnehmer" steht im Untertitel der Ruhrgebietskonferenz Pflege - und genau das ist Ziel der Initiative - wenn man schon nicht von der Politik gefragt wird, will man eben selbst initiativ werden und Expertise und Konzepte aus Sicht der Branche einbringen.

Franz Müntefering - ehemaliger Fizekanzler und auf der Konferenz in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), griff das positiv auf und versprach überdies auch bei der Weiterleitung dieser Konzepte an entsprechende Gremien der NRW-Landesregierung aber auch der Bundesregierung persönlich positiven Nachdruck verleihen zu wollen. Auch er unterstrich in seinem Impulsreferat, dass Pflege weitaus besser ist als ihr Ruf und freute sich über den Zusammenschluss der (bis jetzt) 40 Unternehmen des Ruhrgebiets. Franz Müntefering hatte unlängst zusammen mit Ministerin Julia Klöckner unser Haus Rosental in Bonn besucht und hat damit einen guten Einblick auch in die Arbeit des Ev. Christophoruswerkes bekommen. Er hat viele der Veränderungsprozesse in der Pflegegesetzgebung und Pflegelandschaft als Zeitzeuge miterlebt und ist in seiner Funktion ausgewiesener Experte für diesen Themenkreis.

Dritte Referentin war Michaela Evans vom Institut für Arbeit und Technik IAT. Sie stellte klar, dass es sich immer lohnt in Pflege zu investieren, denn die Gesamtgesellschaft profitiere davon. Dr. Torsten Bölting, Geschäftsführer der InWIS Forschung und Beratung GmbH aus Bochum griff den Faden auf. Investition sei notwendig, weil sich die Gesellschaft ändert - Werte und Bedarfe seien heute andere, als vor 20 Jahren. Logische Konsequenz: Soziale und technische Innovationen sind gefragt - aber die sollen nach Möglichkeit zusammen gedacht werden. Darin läge die große Chance - neue betriebliche Gestaltungspartnerschaften könnten die Zukunftsprojekte gemeinsam entwickeln - das sichere inhaltliche Klarheit und auch eine fachlich fundierte Umsetzung - z.B. im Bereich der Wohnungswirtschaft.

Initiator und Koordinator Roland Weigel und die für die Kommunikation zuständige Susanne Schübel vom JournalistenBüro Herne freuten sich dann sehr über die Aufbruchstimmung und sikizzierten die Planungen für die nächste Zeit, die den anhaltentenden Dialog innerhalb der Partner, aber auch in Richtung Politik und Entscheidergremien sichern sollen. Die Ruhrkonferenz-Pflege ist kein einmaliger Aufschlag und "Aufschrei" der Pflegebranche - sie ist das Angebot Expertenwissen und innovative Vorschläge in die politischen Diskussionen einzbringen und damit eine aktive Rolle in der Schaffung der Rahmenbedingungen zu übernehmen - ganz konkret und ganz praktisch.

Der Nachmittag war dann für Praxisbeispiele reserviert - Referenten verschiedener Träger und Unternehmen stellen innovative Projekte vor, die jetzt schon gut funktionieren und zur Nachahmung oder mindestens Prügung empfohlen werden - z.B. Junge Pflege, Lifetime Praktikum, sprachgesteuerte Dokumentation, E-Learning oder neue Wohnformen in einer ehemaligen Kirche.

Die Konferenz war ein äußerst ermutigender Start eines Prozesses. Die Pflegebranche will Einflussnehmer sein und werden und fordert das mit Expertise und Weitblick ein. Das Besondere dabei - so formulierte es Roland Weigel - "Wir wollen das gemeinsam tun." Weitere Infos zur Initiative gibt es auf www.ruhrgebietskonferenz-pflege.de

Fotos: Ev. Christophoruswerk