70 Jahre Ev. Christophoruswerk

Wenn ein Mensch auf 70 Jahre seines Lebens zurückschaut und seinen Enkeln die Geschichten aus seiner Jugend erzählt, klingt das für die Enkel manchmal wie von einem anderen Planeten, so sehr haben sich die Zeiten geändert.

Das gilt sicherlich genauso für die 70 jährige Lebensgeschichte des Ev. Christophoruswerkes. Zwischen den Bedingungen der Nachkriegszeit und den Pflegekonzepten, Hygienerichtlinien, gesetzlichen Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen der Gesellschaft von heute liegen Welten. Basis durch alle Zeiten war und ist aber die christliche Verantwortung und Nächstenliebe für die anvertrauten Menschen.

Als der Krieg zu Ende war, blieb unendliches Leid zurück. Duisburg war in weiten Teilen zerstört, Wohnraum war knapp und oft provisorisch. Flüchtlinge aus den Ostgebieten und Arbeitssuchende aus ganz Deutschland drängten ins Ruhrgebiet. Not und Hilfsbedürftigkeit allerorten. In diesen schweren Zeiten bat der damalige OB Duisburgs die Innere Mission (heute Diakonisches Werk Duisburg) um Hilfe für junge Menschen, Alte und Kranke. Nach einigem Hin und Her wurde das ehemalige Flak-Gelände an der heutigen Bonhoefferstraße in Meiderich zur Verfügung gestellt. Diakoniepfarrer Peter Kuhn musste mit seinen Helfern aus Nichts etwas machen und so begann die Arbeit unter primitivsten Bedingungen in der dort noch stehenden Wehrmachtsbaracke – zunächst als Heim für „streunende Jugendliche“, denen dort Unterkunft und Perspektive gegeben wurde.

Doch schnell wurde die Arbeit auf den Bereich Altenpflege ausgeweitet, denn auch dort war die Not groß. Initialzündung für Pfarrer Kuhn war ein zufällig mitgehörtes Gespräch: „Eigentlich ist das Ganze aus Ärger entstanden, als ich in schlimmster Notzeit mitangehört habe, wie jemand von den Alten als „Friedhofsgemüse“ gesprochen hat, die eigentlich keinen Anspruch mehr auf die noch vorhanden Lebensmittel haben sollten. Da hat es bei mir eingeschlagen.“ Man kann heute sagen – was „aus Ärger“ begann wurde vielen zum Segen.

Schnell wuchs das Werk. Umfangreiche Einrichtungen für Jugendliche und alte Menschen kamen hinzu. Ende der 60er Jahre war das Ev. Christophoruswerk der größte Träger von Pflegeeinrichtungen am Niederrhein und man sprach vom „Klein-Bethel“ oder „Duisburgs Bethel“ – wegen des Dorfcharakters des Meidericher Geländes und der Zugewandtheit der Menschen, denn die Maxime war und ist: „Das Ev. Christophoruswerk reicht jedem die Hand. Es achtet jede Person, ohne Benachteiligung einer Konfession oder Nationalität.“

Die 70er Jahre waren unter der Leitung von Diakoniepfarrer Werner Brölsch die Epoche der personellen und inhaltlichen Neustrukturierung, Weiterentwicklung und Weichenstellung. In dieser Zeit wurde auch das Fachseminar für Altenpflege (heute e du.care) gegründet, große Einrichtungen neu gebaut, die anderen auf den neuesten Stand gebracht. Die Weiterentwicklung wurde in der Folgezeit mit neuen Wohn- und Pflegekonzepten stetig vorangetrieben – auch in den Stadteilen Buchholz, Ruhrort und Röttgersbach. Der dann verantwortliche Diakoniepfarrer Wolfgang Eigemann mußte sich aber auch ganz neuen Herausforderungen stellen – starke Erweiterung der Arbeit, große politische und gesetzgeberische Einflüsse, Verknappung der Gelder, wirtschaftliche Zwangsentscheidungen etc. Er schuf ein starkes Team leitender Mitarbeiter, die sich diesen Herausforderungen stellten und begegneten.

Heute ist das Ev. Christophoruswerk ein modernes Sozialunternehmen der Altenpflege mit Spezialangeboten in den Bereichen Junge Pflege, Demenz, Sucht, Psychische Veränderungen, Gehörlosenpflege und Blindenpflege. Vorstand Ulrich Christofczik formuliert das so: „Wir wollen immer am Puls des Lebens und den Bedürfnissen der uns anvertrauten Menschen sein, das ist der Kern für unsere Arbeit und der Weiterentwicklung des Werkes. Aber wir müssen auch immer am Puls der Zeit sein, den sich ändernden Rahmenbedingungen begegnen, nach Möglichkeit mitgestalten und uns professionell aufstellen.“ 

Und so werden auch in Zukunft sicherlich noch weitere Kapitel der Geschichte des Ev. Christophoruswerkes aufgeschlagen. Für die Einrichtung in Ruhrort werden aktuell wunderschöne neue Gebäude an der Bronkhorststraße in Meiderich gebaut, ein Spaziergang durch den Park des Christophorus Quartiers an der Bonhoefferstraße lohnt immer und auch hier werden in den nächsten Jahren Neubauten zwei bestehende Einrichtungen ersetzen. Und auch in Buchholz und Röttgersbach wird man immer am Puls des Lebens der Menschen und am Puls der Zeit bleiben.

Weitere Infos unter www.cwdu.de

Öffentliche Veranstaltungen zum Jubiläum in Meiderich:

  • Samstag, 6. Oktober, 10:30 Dankgottesdienst im Jochen Klepper Saal
  • Samstag 6. Oktober ab 11:30 großes Herbstfest rund um die Glockenwiese
  • Mittwoch, 10. Oktober, 13 Uhr Friedensgebet an der Glockenwiese

Fotos: Ev. Christophoruswerk