IG Pflege fordert zum Tag der Pflege eine neue Normalität

Direkt zu Beginn der Corona-Krise haben sich in Duisburg 13 frei-gemeinnützige Träger der Altenhilfe mit 28 Pflegeheimen, 5 stadtweit agierenden ambulanten Pflegediensten sowie Tagespflegen, Kurzzeitpflegen und ambulant betreuten Wohngruppen zu einer Interessengemeinschaft, der IG Pflege zusammengeschlossen. Dazu gehören AWO, Diakonie, Caritas, Parität, Deutsches Rotes Kreuz, Theodor Fliedner Stiftung und Jüdische Gemeinde. Ziel ist es mit einer Stimme in den Krisengremien der Stadt zu agieren. Und das ist ein wertvoller Beitrag, denn Altenpflege ist professionell darauf vorbereitet mit Virusinfektionen umzugehen, denn es gibt nicht nur das Corona-Virus. In der Altenpflege greifen automatisch ergänzende Maßnahmen zu den ohnehin hohen Hygienestandards, wenn eine Virusinfektion auftritt. Hygiene ist das Stichwort.

Der 12. Mai ist seit 53 Jahren der Internationale Tag der Pflege. Er geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zurück, die als Begründerin der modernen Pflege gilt, weil sie zu Kriegszeiten dafür sorgte, dass durch radikale Hygienemaßnahmen in den Lazaretten nicht mehr Menschen an Krankheiten und Seuchen als an Kriegsverletzungen starben. Durch ihre Maßnahmen konnte der Ausbruch von Seuchen kontrolliert, verlangsamt und besser beherrscht werden. Kommt uns bekannt vor.

Seit über 50 Jahren gehört es zur Normalität, dass die Unternehmen der Pflegebranche darauf hinweisen, wo Verbesserungen im System notwendig sind, Wertschätzung und Unterstützung einfordern und mit Aktionen das Interesse der Öffentlichkeit am 12. Mai auf die Pflege richten. Zur Normalität gehörte es aber auch, dass das öffentliche wie politische Interesse so schnell verpuffte, wie es aufgeflackert war. Die Normalität bleibt der Pflegekräftemangel, die Normalität bleibt ein weitgehend schlechtes Image des Pflegeberufes. Dabei ist so viel passiert: Die Ausbildung in den Pflegeberufen wurde deutlich professionalisiert und jetzt seit Anfang 2020 mit der neuen Ausbildung zur Pflegefachrau, -mann noch einmal auf eine neue Stufe gestellt, Pflegekonzepte sind immer wieder neu und an aktuelle Bedarfe angepasst, Pflege war nie flexibler, vielfältiger und individueller als heute und jeden Tagen sorgen Tausende von Mitarbeitenden in ambulanten Pflegediensten und stationären Einrichtungen der Altenpflege in Duisburg dafür, dass die Menschen dort einen lebenswerten Alltag mit Lebensqualität haben können – und das machen sie gerne und mit Herzblut unter nicht immer leichten Bedingungen.

Und jetzt leben wir plötzlich in einer neuen Realität. Menschen stehen auf Balkonen und applaudieren den Menschen in der Pflege, die Politik fordert Bonuszahlungen, in sozialen Medien finden sich zahlreiche kreative Aktionen der Wertschätzung und des Dankes. Darüber freut sich die IG Pflege ausdrücklich und stellt gleichzeitig die Fragen: Wird auch das wieder verpuffen, wird man zur alten Normalität irgendwann zurückkehren oder wird es eine neue Normalität für die Pflege geben?

Die Vertreter der IG Pflege in Duisburg sind sich da einig: „Wir dürfen nicht zurück.“ Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, jetzt ist es an der Zeit mit Kommune, Land und Bund die Weichen für die Nach-Corona-Zeit zu stellen. Nachhaltige Konzepte der Finanzierung, der personellen Ausstattung der Einrichtungen und strukturell neue Wege sind das Gebot der Stunde. Ideen und Konzepte sind bei den Partnern der IG Pflege reichlich vorhanden – Gesprächsbereitschaft auch, denn die nächsten Tage der Pflege am 12. Mai sollen unter einer neuen, besseren Normalität begangen werden können.